Kirche San Stae

In ihrer gegenwärtigen Form ist die Kirche San Stae (Mundart für Sant'Eustachio) das Ergebnis eines vollständigen Umbaus des 1678 durch den nur gerade durch diesen Auftrag bekannt gebliebenen Giovanni Grassi projektierten Gebäudes. Dank einem Vermächtnis von 20 000 Dukaten des Dogen Alvise II Mocenigo wurde 1709 die prunkvolle Fassade am Canal Grande erstellt. Sie ist das Werk von Domenico Rossi (Morcote, 1657 – Venedig, 1737) dessen Projekt unter elf Vorschlägen ausgewählt wurde und entstand unter Mitwirkung von verschiedenen Bildhauern .
Auch San Stae, wie ganz allgemein die Barocke Kunst, konnte sich nicht der akademischen Kritik des 19. Jahrhunderts entziehen und unterlag namentlich der strengen und leidenschaftlichen Zensur von John Ruskin im oft zitierten Werk „The Stones of Venice“. Im Gegensatz dazu erkennt die zeitgenössische Kritik mit einer unbeschwerten Würdigung Eleganz und schöpferische Aufarbeitung paladianischer Vorgaben und zögert nicht, das Denkmal in seiner Gesamtheit als Beispiel für umfassende stilistische Kohärenz des venezianischen Settecento darzustellen.
Die Gesamtrestaurierung von San Stae war unser erster Beitrag zur Erhaltung venezianischer Kulturgüter. Die umfangreichen Arbeiten begannen 1977 unter der Leitung der Architekten Arnoldo Codoni, Lugano und Renato Padoan, Venedig und dauerten bis September 1979. Angesichts des bedeutenden Ausmasses der Arbeiten wurde uns 1976, noch während die Arbeiten im Gang ware, der Preis der Fondazione del Centenario (Jubiläumstiftung ) der BSI, Banca della Svizzera Italiana zugesprochen, Premio 1976 della Fondazione del Centenario della Banca della Svizzera Italiana.

Der Aktion zur Mittelbeschaffung für die Finanzierung war gesamtschweizerisch ein erfreulicher Erfolg beschieden: die Schweizerische Eidgenossenschaft, viele Kantone und Gemeinden, Kulturorganisationen, Industie-, Handel- und Finanzunternehmen und über 1500 Privatpersonen leisteten einen Beitrag. Angesichts der tatkräftigen Unterstützung durch die Behörden und der ausserordentlichen Anteilnahem der Bevölkerung wurde 1980 dem Schweizerischen Bundesrat der Premio Torta verliehen. Premio Pietro Torta 1980 al Consiglio Federale da parte dell’Ateneo Veneto.
Während drei Jahrzehnten war die Kirche Ausstellungsort für Werke und Installationen von Schweizer Künstlern im Rahmen der Biennale. Unter unserem Patronat stellte 2007 auch der Tessiner Bildhauer Pierre Casè eine vielbeachtete fesselnde Komposition mit über tausend Skulpturen aus.